| auch ein kinderzimmer darf
wachsen
liebe leser,
in diesem monat geht es wieder um ein etwas allgemeineres
thema.
lassen sie ich zeit! lassen sie sich zeit, wenn es um die gestaltung
und neuplanung ihres zu hauses und des kinderzimmers geht.
ich möchte sie jetzt nicht mit schlausprüchen wie "rom
wurde auch nicht an einem tag ....." oder "gut ding will
weile ....", aber irgendwie lassen sich diese weisheiten nicht
von der hand weisen.
meine gespräche mit den kunden, aber auch das feedback auf
diese seite zeigen mir, dass diese haltung längst nicht so
selbstverständlich ist, wie es scheint.
zum einen ist das diese ungeduld. das kenne ich selbst von mir nur
allzu gut. wenn ich eine idee im kopf habe, dann muss sie am besten
in 5 minuten in der realität vor mir stehen. das funktioniert
bestenfalls bei der berühmten terrine. und weil das in den
seltesten fällen klappt verstärkt das die unzufriedenheit.
zum anderen gibt es in vielerlei medien diverse vorgaben. da werden
auf hochglanzbildern perfekte wohnwelten präsentiert, die zugegebenermassen
einen gewissen reiz haben. durch solche vorgaben hängt man
sich selbst die latte unerreichbar hoch.
oft vergessen, dass diese fotos produkt von absoluten profis sind,
die verkaufen wollen. egal ob licht, fotograf, decorateur - sie
alle verstehen ihr fach bestens begehrlichkeiten zu wecken.
aber diese vorgaben haben in den seltesten fällen etwas mit
der realität und dem leben zu tun.
wo sind die einzelnen socken, die im wohnzimmer liegen, die engebissene
tafel schokolade, die zerknüllte zeitung auf dem sofa oder
der leergegessene joghurtbecher auf dem tisch? natürlich geben
diese arbeiten wunderbare anregungen und ideen. sie dürfen
aber nicht das maß aller dinge werden.
aber bevor ich abschweife ...
viele kunden nehmen diese darstellung als vorbild und formulieren
darüber ihre wünsche. über diese darstellungen werden
berechtigterweise begehrlichkeiten geweckt. leider haben diese lebensräume
, wie oben schon erwähnt, wenig mit der wirklichkeit zu tun.
ausserdem suggerieren sie ein "von null auf hundert" in
5 sekunden. soll heissen, an diesen vorgaben lassen sich keine entwicklung
ablesen. und jetzt komme ich endlich zum punkt. sein zu hause einzurichten
hat etwas mit leben zu tun. leben hat etwas mit entwicklung, wachsen
und probieren zu tun. seinen weg finden, innehalten, einen schritt
gehen und noch einen schritt gehen. hört sich das zu hochgestochen
an? ich glaube nicht, zumindest zeigen mir viele gespräche
mit kunden etwas anderes.
es fehlt der "mut" pause zu machen, auf halbem wege stehen
zu bleiben. ich fange an und kann erst aufhören, wenn alles
fertig und natürlich perfekt ist. das erzeugt druck und frustrationen
- jeder kennt dieses gefühl.
lassen sie sich zeit. ein kinderzimmer "muss" wachsen
- alleine und mit ihnen. fangen sie an - egal womit. bleiben sie
stehen. schauen, fühlen und beobachten. den nächsten schritt
gehen. sich zeit lassen. vielleicht doch anders, vieleicht wieder
einen schritt zurück? vielleicht etwas ganz neues?
eine kundin schrieb mir in einer netten mail:
"uns fehlt der mut endlich unser haus einzurichten. wir finden
keinen anfang, weil wir den druck haben, dass alles sofot perfekt
und fertig sein muss. darum leben wir in einzigen provisorium. dies
ist natürlich ein grosser frust und macht oft schlechte laune."
so oder so ähnlich äussern sich viele kunden und ich kann
dieses gefühl sehr gut verstehen und nachvollziehen.
geben sie sich zeit, setzten sie sich nicht unter druck. der erste
schritt ist immer der schwerste - der sogenannte horror vor dem
weissen papier. das kennt jeder nur zu gut, der schon einem vor
einem leeren blatt gesessen hat.
die leichtigkeit und freude beim gestalten seines zu hauses kommt
nicht durch zu hoch gegriffene ziele, sondern zu experimentieren,
loszulassen und zu schauen, was passiert. wohin führt mich
der weg. was gefällt mir wirklich? wie lebe ich? was mag ich?
es geht um leben und um wohlfühlen. dazu gehören zeit
und veränderungen. ein haus und auch das kinderzimmer wachsen
mit der familie. eigentlich kann man soweit gehen zu behaupten,
dass es nie ein "fertig" geben wird. das heim lebt genauso,
wie die familie in ihr. mit all den veränderungen und bewegungen.
einen punkt machen und alles von a-z fertig haben? das gibt es nur
"im film"
fertig sein bedeutet ja auch keinen raum für veränderungen
mehr zu haben. keinen raum für abwege zu haben. über den
trödelmarkt laufen und etwas schönes sehen. bei einem
schaufensterbummel eine schrille lampe entdecken, in die man sich
verliebt, aber so gar nicht in das konzept passt. bei oma und opa
ein uraltes möbel sehen, was eien charmante hässlichkeit
besitzt, aber erinnerungen weckt.
viele dieser momente, in denen wir merken: ich bin total verliebt
in ein accessoire, ein möbel, einen stoff. aber es passt so
garnicht in meine vorstellungen und visionen.
na und? umso besser. lassen sie raum für diese charmanten,
ungeplanten und verrückten kleinen nischen. dadurch leben sie
und auch ihr zu hause. und darum noch einmal: lassen sie sich zeit,
werden sie nie fertig und lassen das zu hause leben und geben sie
sich und ihrem heim platz, zeit und raum für veränderungen.
herzlichst
ihr oliver beil
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